Ein Schandfleck für Innsbruck – Die Jugendherberge Reichenau


Jugendherberge Reichenau
Die offizielle Jugendherberge im Stadtteil Reichenau.

Haus der europäischen Spitzenklasse

Ach wie war das damals schön im beschaulichen Innsbruck der 70er Jahre. Die kleine Alpenstadt mit seinen damals gerade einmal 32.000 Einwohnern* befand sich in der Blüte der Wirtschaftswunderzeit. Die Olympischen Winterspiele 1976 standen kurz bevor und zogen große Investitionsprojekte mit sich. Die ganze Stadt war in Aufbruchstimmung und der Wohlstand der Bevölkerung wuchs mit jedem Jahr.

Wer einmal eine Zeitreise in das Innsbruck dieser „goldenen“ 70er Jahre unternehmen möchte, der sollte entweder in das Innsbrucker Stadtmuseum gehen oder sich ganz einfach für zwei Nächte in die offizielle Jugendherberge der Stadt Innsbruck einquatieren. Denn nirgendwo sonst ist der Zeitgeist dieser Epoche so lebendig wie dort.

Die im Jahr 1976 stolz eröffnete Jugendherberge im Stadtteil Reichenau zählte mit ihren rund 200 Betten und ihrer hochmodernen und funktionalen Innenausstattung  zu den modernsten Jugendherbergen dieser Zeit. Das offizielle Mitteilungsblatt der Stadt Innsbruck aus dem Jahr 1976 betitele diese Unterkunft gar als „Haus der europäischen Spitzenklasse“, welches man als Jugendwanderer „unbedingt erlebt haben muss“ **.

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Bild-Quelle: Offizielles Stadtblatt der Landeshauptstadt Innsbruck (Jahr 1976, Nr. 5)

Hamma net, kenn man net, brauch ma net

Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Während die Gastronomie und Hotellerie den sich ständig verändernden Kundenwünschen anpasste, so blieb in der Jugendherberge Reichenau (fast) alles beim Alten. Getreu dem in Österreich sehr bekannten Motto „hamma net, kenn man net, brauch ma net, hamma immer schon so gmacht, da könnt ja jeder kommen“ verfährt scheinbar bis heute auch das Management der Jugendherberge Reichenau. Naja fast: immerhin hat das moderne Cybernetz nun endlich auch seinen Weg in die veraltete Herberge am Inn gefunden; so verkündet die in den 90er Jahren hängengebliebene Webseite seit einigen Monaten voller Stolz das es hier jetzt sogar kostenloses WLan gibt. Zur Freude aller Gäste. Denn bisher musste man sich hier mit einem einzigen und völlig veralteten und zusätzlich völlig überteuerten Internet-Terminal zufrieden geben.

Das Internetseite ist auf dem modernsten Stand der 90er Jahre - Wenigstens verspricht diese Seite genau das was einen hier erwartet. Sceenshot: youth-hostel-innsbruck.at (07.12.2014)
Das Internetseite ist auf dem modernsten Stand der 90er Jahre – Wenigstens verspricht diese Seite nicht mehr als das was einen hier erwartet. Sceenshot: youth-hostel-innsbruck.at (07.12.2014)

die schlimmste Herberge, in der ich je übernachtet habe

Dank solcher Touristik-Plattformen wie Tripadvisor oder Holidaycheck kann man sich schon vor dem Urlaub ein relativ genaues Bild des zukünftigen Urlaubsdomizils machen. Durch eine sorgfältige Analyse der Bewertungen und Kommentare auf solchen Plattformen kann man sich böse Überraschungen im lang ersehnten Urlaub meist ersparen.


Trotz vieler schlechter Bewertungen haben viele junge Backpacker mangels Alternativen keine andere Wahl als in der Jugendherberge Reichenau unterzukommen.

Viele dieser Backpacker machen nach ihrem Aufenthalt in der Herberge ihrem Ärger Luft und schildern ihre Erfahrungen im Internet. Hier zwei Erfahrungsberichte von Bianca S. aus Stuttgart und dayvasegal aus Oakland/Kalifornien:

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Fast schon angewidert ist Bianca S. von der veralteten Inneneinrichtung der Jugendherberge Reichenau – Screenshot von Tripadvisor (07.12.2014)
Jugendherberge Innsbruck
„Dieses Hotel war wirklich die schlimmste Herberge, in der ich je übernachtet habe“ schreibt dayvasegal aus Oakland. Screenshot von Tripadvisor (07.12.2014)

 

Die Jugendherberge ist ein Schandfleck für Innsbruck!

Innsbruck ist eine moderne und junge (Studenten-) Stadt und hat einige architektonische Meisterwerke zu bieten. Man denke nur an die von Star-Architektin Zaha Hadid errichtete Bergiselschanze oder die Hungerburgbahnstationen, das gläserne Kaufhaus Tyrol oder das glanzvolle PEMA Gebäude am Hauptbahnhof. All diese Gebäude haben eine moderne Außenfassade und verfügen über eine helle und freundliche Inneneinrichtung. Nicht umsonst sind viele dieser Gebäude echte Touristenmagneten.

Doch leider bekommen viele der jungen Backpacker aus aller Welt einen ganz anderen Eindruck von der sonst recht modern wirkenden Stadt Innsbruck. Untergebracht in meist viel zu kleinen und dunklen Zimmern erwartet die Besucher in der Landeshauptstadt eine völlig veraltete Jugendherberge im spießigen Charme der Siebziger Jahre. Betten mit grausigen Gummimatratzen und veraltete sanitäre Einrichtungen prägen das heutige Bild der offiziellen Jugendherberge in Innsbruck.

Schaut man sich hingegen in den Hostels der großen europäischen Metropolen um, so bekommt man meist ein ganz anderes Bild geboten. Moderne und toll ausgestattete Jugendherbergen dienen hier nicht nur als Notunterkunft für die Nacht, sondern vielmehr als Begegnungsstätte für junge Menschen aus aller Welt. Diese Hostels wirken freundlich und einladend und vermitteln den Gästen alles andere als eine „Landschulheim-Atmosphäre“. Auch das Angebot verschiedenster Serviceleistungen ist in den heutigen Hostels riesig. Ob gratis Kaffee oder Tee, Fahrradverleih oder kostenlose Stadt- und Partytouren – all dies und noch viel mehr bieten die Hostels von heute ihren Gästen standardmäßig an. Solche „Exklusivitäten“ sucht man in der Jugendherberge Reichenau leider vergeblich.

Es wird höchste Zeit das sich die Verantwortlichen der Regierung dem bestehenden Problemen annehmen und auf die Wünsche der heutigen jugendlichen Gäste eingehen. Denn Innsbruck hat eine solche Jugendherberge wirklich nicht verdient. Die Jugendherberge ist ein Schandfleck für Innsbruck!

 


Quellen:

*Quelle: Statistik Austria

**vgl. Mitteilungsblatt Stadt Innsbruck 1976, Nr. 5

4 Gedanken zu „Ein Schandfleck für Innsbruck – Die Jugendherberge Reichenau

  • Dezember 7, 2014 um 22:13
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    wem gehört die jugendherberge bzw wer betreibt das?

  • Dezember 8, 2014 um 04:53
    Permalink

    Ich war da auch mal. Die gehört abgerissen!

  • Januar 2, 2015 um 10:49
    Permalink

    Ich war diese Woche auf einer Hochzeit mit 70 Gästen aus aller Welt, ein Großteil davon musste in der Jugendherberge nächtigen. Alle meinten, Innsbruck sei eine sehr schöne Stadt, aber solange keine bessere Herberge gebaut wird, kommen sie nicht wieder. Es müsste also auch im Interesse der Wirtschaftskammer und der Tirol Marketing Agentur sein, eine bessere Herberge aufzustellen….

  • März 23, 2015 um 20:20
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    Habe schon mehrmals in der Jugendherberge übernachtet und fand es jedes mal toll.
    Natürlich könnte das auch daran gelegen haben, dass immer heiße Mädels zugegen waren, mit denen man endlos „plaudern“ konnte.

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