Meditatives Wandern: Entspannung pur 


Meditatives Wandern Innsbruck
Natur, Anstrengung, Abwesenheit von Ablenkungen und Überflüssigem: Wandern ist einer der effektivsten Stresskiller. Bild: unsplash (CC0-Lizenz) © pixabay.com

Wandern durch die Natur ist immer eine erholsame Beschäftigung. Was aber nur die wenigsten wissen: Es kann auch zu einer meditativen Erfahrung werden

Wenn der Schnee abgetaut ist und die Almen sich wieder in sattem Grün zeigen, wird die Region Innsbruck zum Wanderer-Land. Strecken wie die Axamer Lizum führen dann den Läufer über nicht weniger als 60 Kilometer markierte Wege durch die Ruhe der Natur – eine Angelegenheit für echte Genießer.

Aber wussten Sie, dass Wandern, vor allem auf längeren, abgeschiedenen Routen, auch ein meditatives Erlebnis sein, den Körper mit der Seele in Einklang bringen und den Wunsch nach Materiellem nicht selten dauerhaft verdrängen kann? Warum das so ist, das will der folgende Artikel genauer ausloten und dabei auch aufzeigen, wie das Wandern dabei helfen kann, sämtlichen Alltagsstress hinter sich zu lassen.

1. Wandern – Auge in Auge mit der Natur

In unserer heutigen modernen Welt muss alles schnell gehen: Der Weg zur Arbeit, der Einkauf, die Fahrt in den Urlaub… die meiste Zeit verbringen Mitteleuropäer bei Reisen in Autos, Eisenbahnen, Flugzeugen – und erleben die draußen vorbeiziehende Welt durch das hohe Reisetempo nicht nur unvollständig, sondern durch auch noch gedämpft: Der Geruch der Natur bleibt in irgendwelchen Innenraumfiltern unter dem Armaturenbrett hängen und die einzige Brise auf der Haut kommt aus der Klimaanlage, die bei jedem Wetter alles auf einer Temperatur hält – und selbst der Blick nach draußen wird durch die Fenster verzerrt.

 

Meditatives Wandern Innsbruck
Wandern macht durch seine vergleichsweise Langsamkeit die Natur in allen Facetten erlebbar – ohne Filter dazwischen. Bild: Julie-Kolibrie (CC0-Lizenz) © pixabay.com

Wandern hingegen ist das exakte Gegenteil davon: Die täglichen Distanzen messen sich in ein- oder bestenfalls zweistelligen Kilometerzahlen, anstatt dutzenden oder hunderten wie beim Auto. Das sorgt einerseits dafür, dass die Reise an sich entschleunigt wird: Ein Wanderer kommt langsamer voran. Aber andererseits macht es den Weg an sich zu einem viel intensiveren Erlebnis: Die Natur in all ihren Facetten liegt direkt vor der eigenen Nase und zieht nicht nur in hohem Tempo an einem vorbei. Wind und Wetter stehen in direktem Kontakt mit der Haut. Alle Gerüche von Gräsern, Blumen und nicht zuletzt der Erde selbst kommen ohne Filter direkt in der Nase an – mehr zu all diesen Natur-Faktoren erklärt der Alpenverein.

Auf den Punkt gebracht: In der Summe  sorgt das dafür, dass Natur bei einer Wanderung mit allen Sinnen erlebbar wird – und die Langsamkeit lässt den Weg zum Ziel werden.

2. Wandern und Stress

Dabei gilt freilich, je abgeschiedener das Wandergebiet, desto ruhiger wird der Wanderer an sich: Nichts ist dort, was ihn ablenken könnte. Auf dem Weg existieren keine Terminplaner, keine Meetings oder E-Mails vom Chef. Hier geht es nur darum, in sich selbst hineinzuhorchen. Diesen Umstand machen sich beispielsweise auch Pilger zunutze: Dadurch, dass mit jedem Kilometer der Stress weniger wird, hat der Geist viel mehr Möglichkeiten, abzuschweifen.

Er muss sich ja quasi um nichts anderes Gedanken machen. Das Laufen geschieht mehr oder weniger automatisch und benötigt keine weiteren Denkleistungen. Und das Ergebnis dessen ist wiederum, dass bei Wanderungsbeginn vorhandener Stress Kilometer für Kilometer weiter absinkt.

Meditatives Wandern Innsbruck
Abseits von Terminen, Meetings und Mails wird vor allem Wandern, das über mehrere Tage andauert, zu einem meditativen Erlebnis. Bild: tjapatch0 (CC0-Lizenz) © pixabay.com

Freilich lässt sich das alleine schon auf den Wanderrouten um Innsbruck erzielen: Dort hat es nicht nur jede Menge Natur, sondern auch so viele Routenkilometer, dass man dort auch mehr als einen Tag am Stück wandern kann (mehr über solche Langwanderungen lesen Sie weiter unten).

Aber grundsätzlich gilt: Überall auf der Welt, wo kein Zivilisationsstress herrscht, können die Vorteile des meditativen Wanderns zum Tragen kommen. Das kann im australischen Outback sein oder auch in der Einsamkeit der kanadischen Wälder.

Vor allem letztere sind wegen ihres Klimas sehr gut für mitteleuropäische Wanderer geeignet, die keine klimatischen Extreme gewohnt sind. Bei Sportscheck findet sich ein sehr ausführlicher Artikel über die kanadische Region Alberta aus Wanderersicht. Der Grundgedanke ist hier, dass nur Einsamkeit beim Wandern eine echte Abwesenheit von allen weltlichen Problemen und Gütern bedeuten kann – und damit der Geist und die Seele entlastet werden.

3. Wandern: Die Distanz zählt – und nicht das Materielle

Wer einen Nachmittag lang wandert, bei dem steht vor allem das Naturerlebnis und die kurzfristige Entspannung im Vordergrund. Wogegen auch absolut nichts einzuwenden ist. Aber beim Wandern gilt vielmehr: Je größer die Distanz, je länger (und vielleicht auch je steiniger) der Weg, desto mehr treten andere Faktoren in den Vordergrund. Dies gilt vor allem bei mehrtägigen Wanderungen, eventuell sogar abseits der Zivilisation:


  • Hohe Anstrengung versetzt den Körper in einen rauschartigen Zustand, der durch die Ausschüttung von Endorphinen verursacht wird.
  • Lange Wanderungen sind immer auch eine Grenzerfahrung, weil die wenigsten über Erfahrung mit dem Erlaufen von dutzenden Kilometern Distanz, eventuell über mehrere Tage haben.
  • Die Ausrüstung muss bei einer solchen Wanderung auf dem Rücken getragen werden. Das zwingt schon aus Gewichtsgründen dazu, alles Überflüssige wegzulassen. Geo nennt es „Verzicht als Urlaub“.
  • Dadurch lernt der Mensch automatisch, mit immer weniger Luxusgütern auszukommen: Inmitten der Natur wird dann eine Suppe zum Wunsch und nicht das neueste Smartphone oder andere Gegenstände.
  • In der Folge bekommt Konsum als Selbstzweck einen anderen Stellenwert und rückt in den Hintergrund.
Meditatives Wandern Innsbruck
Je weiter die Distanz, desto genügsamer wird der Wanderer. Nicht mehr Konsumgüter zählen, sondern ein heißes Getränk und ein paar Stunden Schlaf. Bild: unsplash (CC0-Lizenz) © pixabay.com

Interessant daran ist vor allem die Tatsache, dass dieser Effekt bei den meisten Leuten auch noch lange nach dem Wandertrip anhält: Viele kommen also nicht nach Hause und freuen sich erst mal, dass sie wieder TV schauen oder sich durch die Läden shoppen können, sondern können einige Wochen von der erlernten Entbehrung profitieren. Für manche ändert sich nach einer solchen Langstreckenwanderung die Sicht auf alles Materielle sogar nachhaltig – diese Menschen kommen dann mit einem Bruchteil all der Kleinigkeiten zurecht, die unser heutiges Leben bestimmen, und bei ehrlicher Betrachtung auch vielfach überflüssig sind.

Unterm Strich bedeutet das: Je länger die Wanderung, desto mehr lernt der Mensch ganz von alleine, die kleinen Dinge zu schätzen und dabei auf alles Überflüssige zu verzichten.

4. Wandern – Überzeugungsarbeit

Doch vielleicht verstehen manche Menschen auch an diesem Punkt noch nicht, warum sie einen Wanderurlaub, bei dem sie sich höchstwahrscheinlich einige Blasen zuziehen und oft genug abends mit schmerzenden Beinen zu Bett gehen werden, einem entspannenden Cluburlaub am Strand vorziehen sollten. Die Antwort darauf ist aber so einfach wie das Wandern selbst: Ein solcher Badeurlaub mit allen Schikanen überdeckt Stress oft nur. Wandern hingegen greift die Ursachen von Stress an der Wurzel:

  • Ein Urlaub am Strand bringt zwar Erholung, aber keine Abwesenheit von materiellen Dingen.
  • Inmitten einer überfüllten Hotelanlage gibt es viele Annehmlichkeiten aber keine echte Ruhe.
  • In typischen südlichen Touristendestinationen ist unberührte Natur oft nicht mehr vorhanden.
  • Wer den ganzen Tag an Pool oder Meer liegt, vielleicht sogar mit den Kopfhörern auf den Ohren, kann keine Entspannung durch Anstrengung erfahren.

Natürlich: Sich selbst und vielleicht noch einen Partner davon zu überzeugen, lieber eine Woche lang durch die Berge um Innsbruck zu wandern, ist sicherlich schwieriger, als im Reisebüro nur aus einigen Hotels das mit dem üppigsten All-Inclusive-Angebot auszuwählen. Aber der Volksmund sagt auch: „Ohne Schweiß kein Preis“. Und im Falle des Wanderns wird mit ebendiesem Schweiß eine ganze Menge mehr erkauft, als ein paar schöne Fotos vom Strand: Im besten Falle nämlich echter Seelenfrieden und Tiefenentspannung, die auch noch lange über den Urlaub hinaus anhält, und nicht bereits nach einer Woche durch den Stress des Alltags wieder zunichte gemacht wurde.

5. Wandern: Günstiger geht’s kaum

Was fallen für einen typischen Badeurlaub für Kosten an? Flüge, Hotels, Taxis und nicht zuletzt sämtliche konsumtechnischen Verlockungen vor Ort – nicht selten hunderte bis tausende Euro. Wandern hingegen ist dazu ein geradezu günstiger Urlaub. Auch, weil die benötigte Ausrüstung bei guter Qualität meist nur einmal gekauft werden muss und dann für viele Trips zur Verfügung steht. Prinzipiell braucht es nämlich nur:


  • Dem Gelände entsprechende und absolut perfekt passende Wanderschuhe (die meist der teuerste Posten sind).
  • Ein Rucksack, der rund zehn Kilo Gewicht tragen kann.
  • Wirklich bequeme Kleidung und entsprechende Wandersocken.
  • Wanderstöcke (sind optional und können freilich auch durch ein Stück Holz ersetzt werden).
  • Ein weicher Hut, der vor zu viel Sonne schützt.
  • Ein kleines Erste-Hilfe-Set. Mehr über dessen Inhalt lesen Sie auf diesem Portal.
Meditatives Wandern Innsbruck
Gut eingelaufene Wanderschuhe sind meist das einzige teure Stück Ausrüstung für eine Wanderung, alles andere ist günstiger oder schlicht auch überflüssig. Bild: huldovolk (CC0-Lizenz) © pixabay.com

Und das ist auch schon alles, was der Wanderer wirklich benötigt. Alles weitere – Schrittzähler, spezielle Wanderer-Trinkflaschen usw.  – ist prinzipiell überflüssiger Luxus, der bei der Wanderung nur das Erlebnis und vor allem die aus Anstrengung und Entbehrung resultierenden Vorteile schmälert.

Fazit

Wandern hat nicht nur offensichtliche Vorteile wie den Genuss der Natur. Vielmehr verhält es sich so, dass mit der Länge der gelaufenen Distanz der Stress wirklich reduziert, statt nur verdrängt wird: Die Anstrengung und die Abwesenheit von Ablenkungen sorgen dafür, dass der Geist abschweifen, sich auf das Wesentliche konzentrieren kann. Gleichsam muss der Wanderer alles, was er für seine Tour benötigt, auf dem Rücken tragen.

Das wiederum zwingt einen dazu, automatisch alles Überflüssige auszusortieren und mit weniger materiellem und auch geistigem und seelischem Ballast zurechtzukommen. Dadurch wird ein Wanderurlaub zu einer ganzheitlichen Erfahrung, die einen Menschen tiefgreifend zum Positiven verändern kann. Viel tiefgreifender, als es die meisten anderen Urlaubsformen könnten.

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