Dönerbude, Tattoos und alternative Energie: Was treiben die größten Fußballstars heute?

Profifußballer zu werden, davon träumen viele, besonders jetzt während der Weltmeisterschaft. Diese Karriere beginnt in der Regel jedoch bereits in jungen Jahren und nimmt ein ebenso frühes Ende: mit Mitte 30 gehört man bereits zum alten Eisen, mit 40 ist – von einigen Ausnahmen abgesehen – dann wirklich Schluss. Viele einstige Weltstars fanden dann den Weg auf die Trainerbank, was natürlich als Karriere nach der Karriere naheliegt.

Andere wurden Unternehmer, Künstler oder gar Firmenchefs großer Konzerne. Wir werfen einen Blick auf die Spielergrößen der Vergangenheit, und was sie heute treiben.

Viele Fußballlegenden blieben dem Sport dabei ihr ganzes Leben lang treu. Man nehme den „Kaiser“ Franz Beckenbauer, der auch nach der Spielerkarriere in verschiedenen Funktionen beim FC Bayern wie auch im DFB ebenso erfolgreich war als auf dem Rasen. Von 1994 bis 2009 war er Präsident in München, anschließend blieb er Ehrenpräsident, von 1998 bis 2010 war er DFB-Vizepräsident, von 2007 bis 2011 Mitglied beim FIFA-Exekutivkomitee, und auch an der WM 2006 war er als Präsident des Organisationskomitees beteiligt. Mit 76 Jahren ist er heute inzwischen im Ruhestand, taucht jedoch noch immer bei wichtigen Fußballereignisse auf und versprüht dabei altbekannten Charme.

Auch Lothar Matthäus hatte nach seinem offiziellen Abschied vom Rasen wichtige Rollen im Fußball inne, allen voran natürlich als Nationaltrainer von Ungarn und Bulgarien, wie auch für den SK Rapid Wien (2000 bis 2001) sowie als CO-Trainer für den FC Red Bull Salzburg (2006 – 2007). 2019 beendete er seiner Trainer-Karriere offiziell, heute ist er unter anderem als Experte bei dem Pay-TV Sportsender Sky unterwegs, 2015 war er Markenbotschafter der Deutschen Fußball Liga und reiste in dieser Rolle um den Erdball. Zudem fungierte er auch bei der EM 2020 als offizieller Botschafter. Daneben hat man ihn auch in verschiedenen TV-Auftritten fernab vom Sport gesehen, beispielsweise in einer Gastrolle bei „Alarm für Cobra 11 – die Autobahnpolizei“ 2012 sowie in der VOX Personality-Doku „Lothar – immer am Ball“ im gleichen Jahr.

Lothar Matthäus als Experte beim Pay-TV Sportsender „Sky“

Andere Größen verabschiedeten sich komplett vom runden Leder und stiegen als Unternehmer in die Wirtschaft ein. Björn Gulden, ehemaliger norwegischer Nationalspieler, wurde 2013 beispielsweise zum Vorstandsvorsitzenden von Puma und managt damit ein Milliarden-Geschäft. Davor war er für die Schuhkette Deichmann sowie Modeschmuckmarke Pandora in verschiedenen Positionen tätig. Aktuellen Gerüchten soll er im kommenden Jahr von Puma zu Adidas wechseln und auch hier zum Chef werden – das Gerede um den Wechsel alleine trieb die Adidas-Aktie um 14 Prozent in die Höhe.

Profikicker, die Unternehmensaktien ebenso beeinflussen wie Weltmeisterschaft Quoten – dazu mag auch der einstige französische Nationalspieler Mathieu Flamini gehören. Seinerzeit bei Arsenal, Milan und Marseille erfolgreich, machte er 2015 mit seiner Firma GF Biochemicals eine 20-Milliarden-Euro Entdeckung, die mit Sport absolut nichts zu tun hat: dabei handelt es sich um eine chemische Verbindung auf Basis von Lävulinsäure, die als alternative Energiequelle Erdöl komplett ersetzen könnte. Der globale Absatzmarkt wird als gigantisch eingeschätzt.

Auch Ivan Klasnic ging in die Wirtschaft und gründete mit Ready2Music sein eigenes Unternehmen. Der kroatische Nationalspieler und Werder Bremen-Stürmer konnte nach Nierenversagen und drei damit verbundenen Nierentransplantationen nicht mehr spielen, und verklagte den Werder Bremen Mannschaftsdoktor sogar erfolgreich auf 4 Millionen Euro aufgrund der Verschreibung von Schmerzmitteln. Heute betreibt er die österreichische Elektronikmarke gemeinsam mit seinem Freund Dalibor Pavlovic und entwickelte unter anderem Kopfhörer mit dem Branding verschiedenere Fußballklubs.

Lukas Podolski vor seiner eigenen Döner-Kette „Mangal Döner“

Der einstige Bayern-Kapitän Philip Lahm hat ebenfalls ein gutes Gespür für lukrative Investitionen und seine Hand in verschiedenen etablierten wie auch jungen Firmen, wobei er aktiv die deutsche Gründerszene unterstützt. Seit 2018 ist er Mehrheitseigentümer bei Lebensmittelhersteller Schneekoppe, zudem ist es an Firmen wie Sixtus, BrückenKöpfe sowie auch an der deutschen Sportlotterie finanziell beteiligt.

Lukas Podolski machte sich hingegen seine Liebe zum Essen schon während seiner Laufbahn als Kicker zur alternativen Karriere und gründete 2017 die Eisdiele Ice Cream United. Ein Jahr später folgte die Dönerbude Mangal Döner, die in Köln mehrere Zweigstellen besitzt. Auch in Sachen Sportkleidung engagiert sich der Ex-Nationalspieler, mit seinem eigenen Modelabel LP Straßen Kicker, daneben betreibt er eine Sportsbar sowie eine Indoor-Fußballhalle.


Eine ganz andere Karriere startete hingegen Daniel Agger: der einstige Liverpool-Star hatte nach seinem Abschied vom Rasen keine Pläne dem Fußball als Trainer treu zu bleiben, sondern erfreut sich mittlerweile eines entspannten Lebensstils mit seiner Familie in Spanien. In seiner Heimat Dänemark betreibt er nicht nur sein eigenes Kanalisationsunternehmen mit dem witzigen Namen „KloAgger“, in das er rund eine halbe Million Euro investierte, sondern geht auch seiner Tattoo-Leidenschaft nach: selbst stark tätowiert, gründete er die Tattoo-Plattform „Tattoodo“ – heute eine der größten der Welt, während er auch selbst unter die Tattoo-Künstler gegangen ist. Privat spielt er heute in erster Linie Golf und gründete mit „The Agger Foundation“ sogar seine eigene Wohltätigkeitsorganisation, die bedürftige Kinder in Dänemark unterstützt. Zudem ist er Teilhaber des Thrift-Stores Loptimisten und beweist damit ein großes Herz.