Trotz guter Rahmenbedingungen – Zahl der Gründungen in Deutschland geht zurück

Der letzte „Gründungsmonitor“ der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) machte es deutlich. Die Zahl der Gründungen in Deutschland brach wegen der Corona-Krise mit den ständigen Lockdowns erheblich ein. Insgesamt wagten in 2020 rund 537.000 Menschen den Sprung in die Selbständigkeit. Das waren etwa 68.000 beziehungsweise 11 % weniger als noch im Jahr davor.

Männer waren weniger risikobereit als Frauen

Vor allem Männer waren weniger risikobereit. Bei ihnen ging die Anzahl der Gründungen um 58.000 oder 15 % zurück, während es bei den Frauen nur 10.000 oder 5 % Gründungen waren. Die KfW mutmaßt, dass sich Frauen besser auf die Krisenbedingungen eingestellt hätten und deshalb noch eher bereit waren ein Risiko einzugehen als die Männer. Gegründet wurde vor allem in den Bereichen wirtschaftliche Dienstleistungen, persönliche Dienstleistungen, im Handel, im produzierenden Gewerbe und sonstige Dienstleistungen. Bei erfahrungenscout.de finden sich Tests und Berichte zu neugegründeten und etablierten Unternehmen in diesen Bereichen in der Region.

Viele erfolgte Gründungen mussten wieder abgebrochen werden

Zu beobachten war auch, dass bereits erfolgte Gründungen in der Krise wieder abgebrochen wurden, vor allem wegen Unwirtschaftlichkeit wegen der Lockdowns. Viele mussten zum Beispiel ihren neu aufgemachten Laden schließen und konnten daher keinen Umsatz generieren. Gerade für Neugründungen gab es wesentlich weniger Hilfe vom Staat, da die Unternehmer noch keine Gewinne oder große Umsätze in den Jahren davor machen konnten. Die Geschäftszahlen der Vorjahre waren jedoch Basis für die Höhe der staatlichen Hilfen. Eine Kredit Finanzierung in Deutschland ist gerade für junge Unternehmen auch nicht so einfach.

Vor dem Aufschwung

Das Jahr 2021 begann ebenfalls mit einem Lockdown, der fast bis in den Frühsommer hinein zog. Daher wird die Zahl der Gründungen auch in diesem Jahr noch nicht wieder den Wert vor der Corona-Krise erreichen. Dennoch sind die Rahmenbedingungen gut. Der erwartete Aufschwung gibt vielen, die gründen wollen, wieder Mut. Hinzu kommt, dass viele, die bereits während der Lockdowns gründen wollten und ihre Pläne auf Eis gelegt hatten nun in den Startlöchern stehen und ihre Pläne umsetzen.

Bereits im ersten Halbjahr ist der Unternehmensbestand in vielen Regionen bereit deutlich gestiegen. So berichtete vor kurzem zum Beispiel die Handwerkskammer in Dortmund, dass es zum 30. Juni in ihrem Wirkungsbereich etwa 20.000 Unternehmen mehr, als noch im Vorjahr. Auch hier zeichnet sich ab, dass der Anteil der Frauen unter den Gründern stark ansteigend ist. Die Zahl der Insolvenzen ist im ersten Halbjahr 2021 wieder zurückgegangen.

Ein immer größerer Teil der Gründungen bezieht sich auf das Online-Geschäft. Gerade in den Lockdown-Zeiten haben viele die Vorzüge des Online-Handels beziehungsweise Verkaufs zu schätzen gelernt. So manch ein Ladengeschäft, dass in 2020 wegen der angeordneten Schließungen schon fast kurz vor der Insolvenz stand, konnte sich über den Online-Verkauf über Wasser halten.

Viele bestehende Unternehmen wollen daher auch weiterhin in die Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse investieren und den Online-Vertrieb ausbauen. Grenzen beim Online-Verkauf ergeben sich eigentlich nur dann, wenn die Produkte zu regionalspezifisch sind oder nur schwer in andere Regionen geliefert werden können. Für 2022 rechnen viele Experten damit, dass der Aufschwung voll in Fahrt kommt. Es könnte praktisch ein neues kleines Wirtschaftswunder beginnen.