Reisen

Zwischen Schlafwagen und Morgenkaffee erlebt Europa den Nachtzug neu

Die ÖBB haben den Nachtzug nie ganz aufgegeben

Nachtzug hat immer noch etwas von Interrail, alten Schlafwagen und Sommernächten auf Schienen. Trotzdem wirkt diese Art zu reisen plötzlich wieder erstaunlich sinnvoll. Am Abend in Wien einsteigen, über Nacht durch halb Europa rollen und morgens dort aussteigen, wo andere erst noch zum Flughafen fahren.

Österreich spielt dabei eine besondere Rolle. Die ÖBB haben den Nachtzug nie ganz aufgegeben und mit dem Nightjet aus einer fast vergessenen Reiseform wieder ein modernes Angebot gemacht. Von Wien, Innsbruck oder Salzburg aus geht es heute in Städte, die sich für ein Wochenende, einen Kurzurlaub oder eine längere Reise anbieten.

Österreichs Nachtzüge haben den Anschluss nie verloren

Dass der Nachtzug heute wieder modern wirkt, liegt auch daran, dass Österreich diese Reiseform nie völlig abgeschrieben hat. Während anderswo Verbindungen verschwanden, haben die ÖBB mit dem Nightjet weitergemacht und das Angebot später wieder ausgebaut. Dadurch ist Österreich heute so etwas wie der Fixpunkt für Nachtzugreisen in Europa.

Das merkt man nicht nur an den Strecken, sondern auch am Angebot im Zug. Wer sparen will, bucht einen Sitzplatz. Wer etwas mehr Ruhe möchte, nimmt den Liegewagen. Wer die Fahrt eher wie eine kleine Übernachtung auf Schienen versteht, landet im Schlafwagen oder in einem privaten Abteil.

Zur Verfügung stehen auch Steckdosen, WLAN und modernisierte Wagen, sodass die Reise nicht mehr nur nach alter Bahnromantik klingt. Der Preis hingegen hängt stark davon ab, wie früh man bucht und wie komfortabel man letzten Endes reisen möchte. Ein Sitzplatz kann vergleichsweise günstig sein, ein Schlafwagen kostet deutlich mehr.

Allerdings bietet der Schlafwagen maximalen Komfort und ersetzt damit auch eine womöglich ebenso teure Hotelnacht. So kann man abends bequem noch ein bisschen arbeiten, eine Serie schauen, Nachrichten lesen oder im WLAN ein Online Casino ohne Limit öffnen. Danach Licht aus und am Morgen in einer anderen Stadt ankommen.

Wie weit kommt man mit dem Nachtzug?

Das Nightjet-Netz der ÖBB reicht inzwischen quer durch Europa. Direktverbindungen gibt es unter anderem nach Deutschland, Italien, in die Schweiz, die Niederlande, nach Belgien und Kroatien. Auf der offiziellen Nightjet-Zielseite nennt die ÖBB unter anderem Hamburg, Berlin, Köln, Zürich, Basel, Amsterdam, Utrecht, Brüssel, Rom, Florenz, Bologna, Venedig, Zagreb und Split.

Von Wien nach Hamburg dauert die Fahrt ungefähr 13 Stunden, nach Amsterdam rund 14 Stunden. Nach Rom ist man ebenfalls etwa eine Nacht unterwegs, nach Zürich je nach Verbindung eher acht bis neun Stunden. Auch Verbindungen über München oder Salzburg nach Italien spielen eine wichtige Rolle, etwa Richtung Bologna, Florenz, Rom oder Venedig.

Dazu kommen Strecken innerhalb Österreichs und in den Alpenraum. Nachtzüge fahren auch zwischen Wien und Westösterreich, etwa Richtung Innsbruck, Feldkirch oder Bregenz. Für Reisende aus Österreich heißt das, dass nicht nur klassische Städtereisen im Ausland möglich sind, sondern auch lange Inlandsetappen über Nacht funktionieren.

Paris gehörte lange zu den bekanntesten Nightjet-Zielen ab Österreich, wurde zuletzt aber aus dem Fahrplan gestrichen. Dafür bleiben andere internationale Verbindungen bestehen oder werden weiter ausgebaut, etwa Richtung Amsterdam, Brüssel, Hamburg, Rom oder Zürich.

Grenzkontrollen sind auch im Zug möglich

Auch im Nachtzug verschwinden Grenzen nicht einfach. Wer über Nacht durch mehrere Länder fährt, sollte den Ausweis oder Reisepass natürlich immer griffbereit haben. Innerhalb des Schengen-Raums laufen viele Fahrten zwar ohne feste Passkontrolle ab, stichprobenartige Kontrollen durch Polizei oder Grenzbehörden sind aber jederzeit möglich.

Das betrifft vor allem internationale Strecken, bei denen der Zug nachts mehrere Länder durchquert. Kontrolliert wird dann direkt im Zug, manchmal bei Zwischenhalten, manchmal während der Fahrt. In der Regel geht es schnell und unspektakulär. Ein Blick auf Ausweis und Ticket, ein paar Fragen, dann geht die Reise weiter.

Das alles läuft also in der Regel viel entspannter als die vielen Stunden am Flughafen vor einer Flugreise ins Ausland. Im Zug gibt es keine Sicherheitskontrolle mit Flüssigkeitsbeutel, kein Gate, kein Boarding nach Gruppen. Gepäck wird nicht gewogen und einen Full-Body-Scan muss man auch nicht über sich ergehen lassen.

Man reist also insgesamt freier, aber natürlich auch  nicht völlig losgelöst von den Regeln. Wer mit dem Nachtzug durch Europa fährt, sollte deshalb die nötigen Dokumente dabei haben und nicht davon ausgehen, dass die Grenze im Schlaf automatisch verschwindet.

Nachtzug oder Billigflug? Oft entscheidet nicht nur der Ticketpreis

Billigflüge sehen auf den ersten Blick oft unschlagbar günstig aus. In der Praxis ist das Flugticket aber manchmal nur der billigste Teil der ganzen Reise. Viele günstige Verbindungen starten nicht am bequemsten Flughafen, sondern irgendwo weit draußen. Wer früh am Morgen oder spät am Abend fliegt, muss dann erst einmal dorthin kommen.

Genau dort beginnt die Rechnung komplizierter zu werden. Zug zum Flughafen, Shuttlebus, Taxi, Parkgebühren, Gepäckaufschläge, Sitzplatzwahl, vielleicht noch eine zusätzliche Übernachtung in Flughafennähe. Aus dem vermeintlich günstigen Flug wird schnell eine Reise, die mehr kostet und mehr Nerven frisst als gedacht.

Der Nachtzug ist natürlich nicht automatisch günstiger. Er hat aber einen anderen klaren Vorteil. Man steigt nämlich direkt in der Stadt ein und kommt in der Regel dann auch wieder zentral in einer anderen Stadt an.

Keine Fahrt zu einem abgelegenen Airport, kein Rätselraten, ob nachts noch ein Bus fährt, kein teures Taxi um vier Uhr morgens. Gerade bei Städtereisen kann das am Ende praktischer sein als der niedrigste Preis auf dem Buchungsportal.

Auch Nachhaltigkeit spielt wieder eine Rolle

Zum Comeback der Nachtzüge trägt auch bei, dass sich das Reiseverhalten vieler Menschen verändert hat. Kurzflüge innerhalb Europas wirken heute nicht mehr automatisch modern, sondern oft unnötig hektisch. Wer für ein Wochenende quer über den Kontinent fliegt, zahlt nicht nur mit Geld, sondern auch mit Zeit, Stress und einer gewissen  CO₂-Bilanz.

Der Nachtzug bietet dazu einen klaren Gegenentwurf. Kein schneller Ortswechsel um jeden Preis, sondern eine Reise, die wieder als Reise wahrgenommen wird. Man steigt am Abend ein, fährt über Nacht durch Europa und kommt am Morgen an, ohne dafür einen halben Tag auf Flughäfen und Zubringerstrecken zu verlieren.

Auch die Umweltbilanz spricht deutlich für die Schiene. Bahnreisen verursachen auf vergleichbaren Strecken erheblich weniger Emissionen als Flüge. Für viele Reisende ist das inzwischen kein Nebenthema mehr, sondern Teil der Entscheidung. Wer zwischen zwei europäischen Städten unterwegs ist, muss sich zumindest fragen, ob der Flug wirklich nötig ist.

Billigflieger werden dadurch nicht verschwinden. Dafür sind sie zu billig, zu bequem buchbar und auf manchen Strecken schlicht praktischer. Aber sie stehen zunehmend in der Kritik. Der Nachtzug wirkt dagegen plötzlich wieder wie eine vernünftige Antwort auf eine Reisekultur, die lange nur schneller, billiger und hektischer werden wollte.